BERICHT AUF „RRO“

red:ben/23.12.2020

Kulturschaffende nicht vergessen! 

Rund 450 Kulturschaffende aus der ganzen Schweiz fordern eine stärkere Berücksichtigung ihrer Arbeit im Umgang mit der Epidemie.  Teilen

Unterstützt werden die Kulturschaffenden von den grossen Festivals, Paléo, Montreux, Verbier und Gstaad, von politischen Persönlichkeiten und dem Infektiologen Didier Pittet.

Im Vergleich zu anderen Sektoren, die in der Coronavirus-Krise unterstützt werden, fühlen sich Kulturakteure diskriminiert und machen dies den Bundesbehörden gegenüber deutlich. Rund 450 von ihnen haben ein «Manifest der Kulturschaffenden» unterzeichnet, um sich im Parlament und im Bundesrat Gehör zu verschaffen.

«Auf Bundesebene wurden Entscheidungen mit weitreichenden Folgen für die Branche getroffen. Es ist unerlässlich, notwendig und dringlich, dass unabhängige Kulturakteure heute auch mit dem gleichen Eifer verteidigt werden, mit dem andere Wirtschaftszweige unterstützt werden», schreibt das Kollektiv.

Saxophonist, Opernsänger, Cellist, Schauspielerin, Tänzerin, Filmemacher, Chorleiter, Choreograph, Pianist, Schriftsteller, Humorist, Fotograf, Techniker – die Kunst- und Kulturberufe sind zahlreich und haben wegen der mit der Epidemie verbundenen Einschränkungen ein extrem schwieriges Jahr erlebt.

15,2 Milliarden Franken 

Das Manifest weist darauf hin, dass Kulturschaffende im weitesten Sinne 6,3 % der arbeitenden Bevölkerung in der Schweiz ausmachen. Im Jahr 2018 beträgt die Wertschöpfung der Kulturwirtschaft 15,2 Mrd. CHF. Unabhängige Kulturakteure machen 28 Prozent der in diesem Bereich Tätigen aus. Da sie nicht leistungsfähig sind, sind sie diejenigen, die am meisten unter der Krise im Jahr 2020 gelitten haben.

Unabhängige Kulturschaffende fühlen sich «ungerechterweise von der Gesellschaft ausgeschlossen, da auf Bundes- oder Kantonsebene Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie ergriffen werden». Sie empfinden sie als diskriminierend. Sie stellen fest, dass religiöse, sportliche oder politische Veranstaltungen genehmigungspflichtig sind, während kulturelle Veranstaltungen, die den gleichen Schutzplänen unterliegen können, verboten sind.

Breite kulturelle und politische Unterstützung 

Namhafte Akteure der Kulturszene in der Westschweiz und der angrenzenden Region haben das «Manifest der Kulturschaffenden» unterzeichnet. So zum Beispiel Daniel Rossellat, Präsident des Paleo Festivals, Mathieu Jaton, Direktor des Montreux Jazz Festivals und Martin Engstroem, Direktor des Verbier Festivals.

Auch politische Persönlichkeiten unterstützen diese Initiative: Nationalrat Mathias Reynard, Präsident der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur, Micheline Calmy-Rey, Pascal Couchepin und seine Tochter Anne-Laure, Präsident der Stadt Martigny.

Unabhängige Kulturschaffende fordern eine Entschädigung auf der gleichen Basis wie Kultureinrichtungen und andere Wirtschaftszweige. «Der Zugang zu einer solchen Entschädigung muss der Prekarität ihrer Situation Rechnung tragen, insbesondere im Hinblick auf die Modalitäten und Fristen für die Gewährung der Entschädigung.

Auch der Kultursektor ist besorgt über die nächsten Schritte und fordert, dass Kultur nicht länger diskriminiert werden darf: »Der Kultursektor hat gezeigt, dass es mit viel Anpassungsfähigkeit möglich ist, massgeschneiderte Veranstaltungen anzubieten, die alle Barrieregesten respektieren können.«

Wiederaufnahme der Aktivitäten 

Die Kulturakteure bitten darum, ihre Aktivitäten unter Einhaltung der Gesundheitsvorschriften wieder aufnehmen zu können: «Covid-kompatible Kulturveranstaltungen ersetzen nicht die normalen Kulturveranstaltungen, die aufgrund der Situation verboten sind, aber sie ermöglichen vielen Kulturakteuren das Überleben, während sie auf die Hilfe des Bundes und/oder des Kantons warten», schreibt das Kollektiv.